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Ein Sommerschwumm in Bern – nicht nur in der Aare

Das sympathische Kaffee mit dem charmanten Team sagt leider schon bald Adieu. Was das Ende des Kaffee Montags mit der Viruskrise zu tun hat und wie es weitergeht verrät Sophie Jenzer, Mitbetreiberin des Kaffee Montags, im Gespräch mit CHorona.ch.

Die ganze Schweiz ist kein Fan des Montags … Die ganze Schweiz? Nein! Ein von unbeugsamen Bernerinnen betriebenes Kaffee hört nicht auf, dem negativ behafteten Klischee des mühsamsten Tag der Woche Widerstand zu leisten. Der etwas angepasste Einstieg von den Asterix und Obelix Geschichten passt bei Barbara und Sophie Jenzer und ihrem Kaffee wie Faust aufs Auge. Sie kämpfen mit ihrem Kaffee Montag seit über sieben Jahren gegen die Miesepeter Stimmung am Anfang der Woche, denn sie sind überzeugt: auch der Montag kann schön sein! Mit ihrer positiven Art und der familiären Atmosphäre im Kaffee haben sie während vielen Jahren ihren Kund*innen den Start in die Woche versüsst. Und doch bahnt sich nun ein Ende an, denn Anfang dieses Jahres zogen dunkle Wolken auf. 

Sophie Jenzer vor dem Kaffee Montag.
Sophie Jenzer vor dem Kaffee Montag.

«Ja, ja, ein Virus…das geht dann gleich wieder»

Als die ersten Corona-Fälle bekannt geworden sind, waren die Auffassungen über das Virus im Team des Kaffee Montags unterschiedlich. «Ich habe das sehr sportlich genommen», sagt Sophie Jenzer. «Zu Beginn sah ich darin keine Bedrohung, aber Barbara, meine Mutter und Inhaberin des Kaffees, hat das ein wenig anders eingeschätzt. Sie hat sofort das Gefühl gehabt, dass das kritisch werden könnte.» Als schliesslich der Lockdown verkündet worden ist, sei es allen klar gewesen, dass eine enorme Herausforderung vor ihnen steht, denn das Kaffee steckt seit Jahren in einem Zwiespalt: «Wir hangen alle sehr an diesem Betrieb, wir lieben die Arbeit und den Kontakt mit unserer Kundschaft und das Kaffee läuft auch sehr gut. Wir könnten wohl sogar jeweils easy auch noch einen zweiten Stock mit Kundschaft bedienen, kämpfen aber trotzdem seit einiger Zeit mit den Zahlen. Wir haben mit dem Wintergeschäft eigentlich jedes Jahr die Sommerzeit subventioniert, weil man ohne Aussenplätze im Sommer halt sehr viel Attraktivität verliert.» Während die Gäste im Sommer wohl den Sprung ins kühle Nass dem Lokal vorgezogen haben, war man zu dieser Zeit auch im Kaffee Montag immer am Schwimmen. «Wir führen seit circa vier Saisons immer im Sommer die Diskussion, ob wir noch einmal eine Saison anhängen und jedes Mal hat bisher das Herz über den Verstand gesiegt. Corona hat uns dieses Jahr die Diskussion und die Entscheidung sozusagen aber ein wenig abgenommen.»

Hinter Plastikvorhängen die Kundschaft betreuen. Was heute zur Normalität gehört, war bis vor ein paar Monaten äusserst ungewöhnlich.
Hinter Plastikvorhängen die Kundschaft betreuen. Was heute zur Normalität gehört, war bis vor ein paar Monaten äusserst ungewöhnlich.

Das i-Tüpfelchen

Es sei auf der einen Seite zwar eine Entlastung, dass man nicht erneut über eine Weiterführung diskutieren muss oder darf, es schmerze aber auch. «Aufgrund der Viruskrise haben wir uns leider dazu entschieden, den Mietvertrag aufzulösen und das Projekt mit dem Kaffee Montag zu beenden. Ohne Corona hätten wir wohl noch ein bis zwei Jahre weitergemacht und schliesslich einen schönen Abschluss angepeilt, dieses Jahr siegt der Verstand aber erstmals. Mit unserem freiwilligen Abgang können wir wohl eine Nullrunde sicherstellen, während bei einer Weiterführung und bei einer möglichen zweiten Welle das Risiko bestanden hätte, dass wir in Schulden geraten wären. Dies wollten wir um jeden Preis verhindern.»

Hoffnungsvolle Message auf einer Postkarte im Kaffee Montag.
Hoffnungsvolle Message auf einer Postkarte im Kaffee Montag.

Herzerwärmendes Crowdfunding

Als der Bundesrat entschieden hat, dass Gastrobetriebe ihre Tore vorübergehend schliessen müssen, hat für das Kaffee Montag die Suche nach alternativen Lösungen begonnen. Sophie habe schliesslich sehr rasch den Impuls für ein Crowdfunding gegeben und dies innerhalb von zwei Tagen auf die Beine gestellt. «Ich wusste, dass das ziemlich schnell gehen muss, denn es standen ja alle vor derselben Situation. Vom einen auf den anderen Tag mussten wir schliessen und hatten kein Einkommen mehr. Gewisse Ausgaben, wie zum Beispiel die Sozialleistungen der Löhne, blieben trotz Kurzarbeit an uns hängen und die Miete musste auch bezahlt werden.» Da es schwer abzuschätzen war, wie lange das Lokal geschlossen bleiben musste, tat sich Sophie schwer in der Festlegung der Höhe des Crowdfunding-Betrags. Er sollte ihnen helfen über die Runden zu kommen, auf der anderen Seite wollte sie aber nicht zu viel verlangen, da der Gedanke, dass ihnen jemand Geld spendet, für sie so schon überwältigend war. «Die Solidaritätswelle und dass so viele Leute an uns gedacht haben, war sehr herzerwärmend. Wir haben während des Lockdowns eine grosse Solidarität verspürt.» Nicht zuletzt auch dank des Crowdfundings kann das Kaffee Montag einen sauberen Abschluss machen und die Nullrunde schreiben.

Der Blick zurück. Bald ist das Kaffee Montag Geschichte. Wohin führt der Weg der Familie Jenzer?
Der Blick zurück. Bald ist das Kaffee Montag Geschichte. Wohin führt der Weg der Familie Jenzer?

Eine Tür schliesst sich, eine andere geht auf?!

Wie gewohnt, werde sich das Kaffee im Juli und August in eine Sommerpause verabschieden. Die Lokalität werde währenddessen von einem mexikanischen Pop-Up namens «Tin-Taco» belebt. «Im September und Oktober sind wir wieder zurück und werden unser bestes Geben, dem Kaffee Montag einen würdigen Abschluss zu bereiten.»

Auf die Frage, ob das Kaffee Montag in irgendeiner Form der Stadt Bern in Zukunft erhalten bleiben wird, kann Sophie Jenzer noch keine Antwort geben. «Wir stehen hier erneut vor dem Verstand-Herz-Dilemma.» Es bleibt also offen, ob sich die Familie Jenzer mit Team noch einmal wagen will, ganz im Stile der Gallier, die den Römern widerstand bieten, ein neues Thema auszusuchen und unbeugsam dagegen anzukämpfen. Vielleicht heisst das neue Projekt ja dann «Regentag Bar».

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