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Härzensposcht – Wie die Idee einer jungen Bernerin die Herzen erwärmt

Seit Wochen ist unser Alltag «zunderobsi». Das Corona-Virus hat unser Leben verändert. Der Bundesrat hat uns dazu aufgefordert zu Hause zu bleiben. Jasmine Grundbacher hat in dieser schwierigen Zeit eine Aktion gestartet, die kleine Gesten zu Taten mit grosser Wirkung verwandelt.

Keine Menschenansammlungen, keine Konzerte, keine Festivals und in den Städten steht man in leeren Gassen und vor geschlossenen Türen. In den letzten Wochen hat das Corona-Virus unser Leben grundlegend verändert. Dinge, die wir als selbstverständlich betrachteten, wurden uns plötzlich verwehrt. Während die Situation viele von uns herausfordert und wohl alle keinen gefallen daran finden, entstehen doch immer wieder schöne Geschichten, die unser Herz erwärmen und aufzeigen, dass geteiltes Leid nur halbes Leid ist.

Die Aktion «Härzensposcht»
Während die jüngere Generation vor allem am Freiheitsentzug, den Freizeitbeschäftigungen, den Clubs, Bars, Konzerten und Festivals nachtrauert, trifft es die ältere Generation an einer anderen Stelle. Da sie zur Risikogruppe gehören, sind Besuche in Alters- und Pflegeheimen seit Anfangs März verboten. Ein zentraler Lebensinhalt, der Besuch von den Liebsten, fällt somit weg. Sie sind praktisch von der Aussenwelt abgeschnitten.
Um den Bewohnern in dieser schwierigen Zeit trotzdem eine kleine Freude bereiten zu können und den Kontakt nach draussen zu ermöglichen, hat Jasmine Grundbacher kurzerhand die Aktion «Härzensposcht» ins Leben gerufen. In ihrem Bekanntenkreis und auf Facebook hat sie in verschiedenen Solidaritätsgruppen dazu aufgerufen, Briefe für die Bewohner von Alters- und Pflegeheimen zu schreiben und ihr zu senden. Sie sammelt die oft sehr schön verzierten und gestalteten Briefe und verteilt sie nachher an verschiedene Alters- und Pflegeheime in der Region Emmental. Den Schreiberlingen ist es dabei selbst überlassen, ob sie die Briefe anonym verfassen oder eine Adresse beilegen, damit die Empfänger zurückschreiben können.

Die ganze Familie macht bei der Aktion mit und schreibt fleissig Briefe. (Foto: zvg)
Die ganze Familie macht bei der Aktion mit und schreibt fleissig Briefe. (Foto: zvg)

Kleine Tat, grosse Wirkung
Im Telefonat mit einem der Altersheime, das eine «Härzensposcht»-Lieferung erhalten hat, wird klar, welche Veränderungen das Virus da ausgelöst hat: «Vorab muss ich sagen, dass diese Lockerungen, die jetzt an vielen Orten gemacht werden dürfen, bei uns noch gar kein Thema sind. Es herrscht nach wie vor Ausnahmezustand und Besucher dürfen weiterhin nicht empfangen werden. Die Schutzmasken erschweren die Situation teilweise, weil beispielsweise das Lippenlesen dadurch unmöglich wird, dies aber für Leute mit Hörproblemen essenziell sein kann. Durch das Besuchsverbot vermissen unsere Bewohner*innen ihre Familien und Angehörigen natürlich. Die einzigen Kontaktmöglichkeiten sind im Moment per Gespräche aus der Distanz über den Balkon oder über die speziell von uns für die Corona-Zeit eingerichteten Skype-Telefonate.»

Angesprochen auf die «Härzensposcht» erzählt eine Angestellte vom Wohnpark Buchegg: «Die Briefe haben bei unseren Bewohner*innen Freude ausgelöst. Einerseits, dass sie Briefe erhalten haben, aber auch wie die Briefe dahergekommen sind, mit all den Verzierungen und wie sie geschrieben waren, hat für glückliche Gesichter gesorgt. Viele «Härzensposcht»-Empfänger waren emotional sehr berührt.» Auch ein paar Tränen seien beim Lesen der Briefe oder bei der Auseinandersetzung mit der Situation im Anschluss an das Lesen geflossen. «Teilweise haben unsere Angestellten die Briefe den Empfängern vorgelesen. Da kam es dann immer wieder auch zu speziellen, sehr emotionalen Momenten, wo auch die Person, die den Brief vorgelesen hat, zu Tränen gerührt war. Die Briefe haben wirklich berührt und die Dankbarkeit war sehr gross. Auch dass jede Bewohnerin und jeder Bewohner einen Brief erhalten hat, fanden wir schön.» Einige Empfänger hätten schliesslich auch auf die Briefe geantwortet.

Hunderte von Briefen, zahlreiche erwärmte Herzen
Mittlerweile hat die 22-jährige Emmentalerin bereits über 600 Briefe an 15 Alters- und Pflegeheime verteilt. Dass die Aktion auf so grosse Resonanz stösst, hat sie selbst aber gar nicht erwartet: «In der heutigen digitalen Zeit, hätte ich nicht gedacht, dass ich so viele Leute motivieren kann, sich hinzusetzen, einen Schreiber in die Hand zu nehmen und einen Brief zu schreiben. Das ist nicht selbstverständlich.» Sie habe nicht nur Briefe aus der Region Bern, sondern beispielsweise auch aus Davos oder Luzern erhalten. «Das Projekt geht nun langsam ein wenig dem Ende entgegen. Im Moment erhalte ich immer noch Briefe, diese sammle ich noch und werde sie in den nächsten paar Wochen noch an Alters- und Pflegeheime verteilen», meint die angehende Lehrerin. Es seien aber nicht mehr viele und auch sie hoffe, dass langsam wieder ein wenig Normalität einkehre.

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