Kategorien
Kreativ

Spiel mir das Lied in die Stube

Frisch geduscht, die Haare sitzen, die Freunde sind am Start – alles ist bereit, um in das freitägliche Nachtleben einzutauchen…Wäre da nur nicht dieses Virus. Zahlreiche Partys, Auftritte und Konzerte mussten aufgrund von Covid-19 abgesagt werden. Die Kulturwelt trifft es hart – sich davon unterkriegen lassen, kommt aber nicht in Frage. Dank einer kreativen Idee werden in Bern trotz allem nach wie vor Konzerte gespielt. Inklusive Publikum.

«Stage At Home» nennt sich das neu in der Corona-Zeit lancierte Projekt der Musikförderung Bern und der Facebook-Solidaritätsgruppe «Gärn gschee – Bärn hiuft». Mittels Livestreaming über Facebook, YouTube und Twitch können Musikliebhaber und Konzertfans trotz der Ausnahmesituation jeden Freitag Konzerte von Berner Musiker*innen geniessen. Und das bequem und sicher von zuhause aus.

Hinter der Produktion des Streams stehen diverse Personen, die teilweise auch ehrenamtlich engagiert sind. (Foto: Julia Foster)
Hinter der Produktion des Streams stehen diverse Personen, die teilweise auch ehrenamtlich engagiert sind. (Foto: Julia Foster)

Wie das Projekt entstanden ist

Marc Tschirren, Leitung Kommunikation des Projekts «Stage At Home», erklärt am Telefon: «Entstanden ist die Idee sozusagen im virtuellen Stammtisch-Geplauder. Zusammen mit anderen Initianten und Administratoren der Facebook-Solidaritätsgruppe «Gärn gschee – Bärn hiuft», haben wir uns gefragt: Wie und wo könnte man noch weiterhelfen? Da einige der Initianten in der Kulturbranche arbeiten, haben wir uns auf diesen Bereich fokussiert. Mit den ersten Massnahmen haben viele Leute in der Kulturszene vom einen auf den anderen Tag sozusagen ihr Einkommen verloren – Techniker*innen, Produktionsleiter*innen, Musiker*innen und weitere.» Nach einigen Überlegungen zu sinnvollen und zielgerichteten Umsetzungsmöglichkeiten habe man sich für eine Livestream-Spendenaktion entschieden, um die Kulturschaffenden gezielt zu unterstützen und der Berner Bevölkerung einen kulturellen Mehrwert zu bieten. Schliesslich fehlen die Konzerte den Leuten ja auch und ausserdem ist das Auftreten für Musikschaffende nicht nur ein Job, sondern eine grosse Leidenschaft, die mit der Einführung der Massnahmen ein (hoffentlich nur temporäres) Ende gefunden hat.

«Ein attraktives Konzerterlebnis – für das Publikum und die involvierten Kulturschaffenden – das ist unsere Vision.»

Obwohl viele der involvierten Personen ehrenamtlich für das Projekt arbeiten, können mittlerweile mit den Spendengeldern neun Personen, sowie alle auftretenden Bands, bezahlt werden. Diese Löhne seien zwar nicht in der Höhe wie sie branchenüblich wären, es sei aber sicherlich besser als kein oder wenig Einkommen. Die Intention hinter «Stage At Home» sei auch nicht nur grosse Spendensummen zu erhalten, sondern den Menschen einerseits das zu ermöglichen, woran sie Freude haben – Musik hören, machen und auftreten – und andererseits einen kleinen finanziellen Zustupf für die wirtschaftlich schwierige Situation zu generieren.

Laufende Planung mit Ziel bis und mit Ende Juni Konzerte zu veranstalten

«Man weiss bei solchen Projekten ja nie so ganz genau was einem erwartet, aber wir sind sehr zufrieden mit den Zahlen. Vorausgesetzt unser Publikum bleibt zahlenmässig in etwa im gleichen Rahmen und es kommen weiterhin genug Spendengelder pro Konzert zusammen, planen wir mit einer Durchführung von mindestens bis und mit Juni 2020», so Tschirren. Dank einer finanziellen Unterstützung der Burgergemeinde Bern und vom Migros Kulturprozent sei ein Notanker vorhanden. Ziel sei es aber, dass jede Ausgabe selbsttragend sei. Allfällige Überschüsse aus den Spenden werden am Ende des Projekts gleichmässig auf die involvierten Personen ausgeschüttet.

Die Streams werden jeweils von einer Moderatorin oder einem Moderator begleitet. (Foto: Julia Foster)
Die Streams werden jeweils von einer Moderatorin oder einem Moderator begleitet. (Foto: Julia Foster)

«Wir möchten nicht die einsamen Reiter sein, sondern auch andere Berner Venues ins Boot holen und ihnen die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren.»

Angesprochen auf die Zukunft von «Stage At Home» verrät Tschirren: «In den nächsten Wochen wird «Stage At Home» von verschiedenen Berner Venues repräsentiert werden. Diese sollen über unser Streaming eine Plattform erhalten. Ausserdem soll gleichzeitig auch die musikalische Präsentation der Venue gewährleistet werden, da sie gleich selbst das Booking ihrer Acts übernimmt. Wir erhoffen uns davon, dass «Stage At Home» möglichst vielen Veranstaltungsorten aus Bern eine Plattform bieten kann und dass mit den neuen Venues natürlich aber auch wieder andere Künstler*innen dazugewonnen werden und so die Diversität von Bern widerspiegelt werden kann.» Den Start mache heute Abend das Kapitel Bollwerk. Zur Frage ob auch grössere Namen in Zukunft bei «Stage At Home» auftreten werden, kann Tschirren noch nichts preisgeben. Man versuche zwar noch ein paar tendenziell eher bekanntere Acts für sich gewinnen zu können, es sei aber noch nichts spruchreif. Grundsätzlich sei man aber immer sehr offen für Anfragen von Künstlerinnen oder Künstlern jeglichen Bekanntheitsgrades.

Die ersten beiden Konzerte von «Stage At Home» – Soukey und Tomazobi.

Interesse geweckt?

Hier findest du zu Stage At Home…
Facebook
YouTube
Instagram
Twitch
Website

Impressionen der ersten drei Konzert-Freitage

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.